Bio zu leben und zu lieben muss nicht teuer sein! Kauft man nachhaltig und gezielt ein, zahlt man unterm Strich nicht mehr als bei einem Spontaneinkauf im nächstgelegenen Megadiscounter. Wie Bio für jeden leistbar wird, will ich euch gerne erklären…

Bio-Produkte an sich sind teuer, zugegeben. Insbesondere Bio-Fleisch ist sogar sauteuer. Bio-Produkte kosten im Regelfall etwa das Doppelte oder sogar das Dreifache als konventionell erzeugte Alternativen. Das mit gutem Grund:

  • Verzicht auf Kunstdünger
  • Erhaltung der Bodengesundheit durch schonende Bearbeitung
  • Natürliche organische Dünger und abwechselnde Fruchtfolge
  • Nützlingsförderung und Sortenvielfalt
  • Verzicht auf Gentechnik
  • Artgemäße Tierhaltung und Bio-Fütterung
  • Faire(re) (ganz fair finde ich sie noch immer nicht) Entlohnung der Landwirte
  • Und so einiges mehr

SPAREN MUSS (FAST) JEDER

Für viele, vor allem für Wenigverdiener und Familien, ist es aber nicht unwichtig, was am Ende des Monats im Börserl übrig bleibt. Das ist bei uns zu Hause nicht anders. Es geht uns finanziell keineswegs schlecht, aber wir haben doch einen kleinen Kredit offen, mein Mann studiert wieder und arbeitet nur 30 Stunden und wir haben zwei kleine Kinder, weshalb ich nur vormittags arbeite – das ist eine Wochen-Nettozeit von etwa zwölf Stunden (für Job, Haushalt und Familienorganisation). Da wird man nicht reich. Aber es reicht, um sich ein kleines Haus leisten zu können und biologische Lebensmittel. Wie gelingt uns das?

WENN FLEISCH UND KÄSE ZUM LUXUS WERDEN

Zum Ersten: In unserer Familie ist Fleisch absoluter Luxus und sogar Milchprodukte landen nur selten auf dem Tisch. Aus folgenden Gründen: weil es ethischer ist, weil so unsere Umwelt geschützt wird, da unser persönlicher ökologischer Fußabdruck kleiner wird und weil es unserer Gesundheit gut tut. UND –  jetzt kommt das UND, auf das ihr hier in diesem Blog sicher gewartet habt, spart es uns unfassbar viel Geld. Demnach haben wir vierfach gewonnen. Ein Quattro-Jackpot, wenn man so will.

HÜLSENFRÜCHTE, HÜLSENFRÜCHTE UND NOCH MEHR HÜLSENFRÜCHTE

Wer nicht hundertprozentig vegan oder basisch lebt oder leben will, der sollte Fleisch, Wurstwaren und Fisch nur maximal einmal pro Woche in den Menüplan einbauen und dann auch nur ca. 150g pro Person. Von Käse bzw. Milchprodukten sollte man maximal 300g pro Person pro Woche kaufen, auch dann hat man gutes Geld gespart (vor allem Bio-Käse ist kein Schnäppchen). Sehr viel günstigere und (laut zahlreicher Studien) gesündere Eiweißlieferanten sind Pseudogetreidesorten in Vollkornvariante (Hafer, Amaranth, Quinoa, Hirse, Buchweizen, u.ä.), Nüsse und Saaten sowie Hülsenfrüchte (Bohnen, Linsen, Sojabohnen, Erbsen, u.ä.).

EIER SIND FÜR MICH EIN KOMPROMISS

Was meine drei Männer und ich durchaus sehr gerne konsumieren, sind biologische Hühnereier. Hiervon brauchen wir vermutlich zehn Stück pro Woche. Ich kaufe die Eier abwechselnd von Bekannten, Verwandten oder einem kleinen Bio-Hühnerhof, der mehr Hobby als Wirtschaftsbetrieb ist. Ich weiß, dass es den Hühnern dort gut geht und dann zahle ich gerne rund 50 Cent pro Ei – ist ja immer noch preiswert. Eier sind einfach so praktisch, vielseitig einsetzbar und wider ihrem schlechten Ruf, tatsächlich gesund (zumindest meines Wissens als Dipl. Ernährungstrainerin und Biologin nach). Und: Sie sind absolut für jeden leistbar. Eier enthalten alle essentiellen Aminosäuren, die der Körper nicht selbst synthetisieren kann, Eiweiß, Eisen, Calcium, Phosphor, Natrium und Kalium.

EIERSATZ IST PRAKTISCH UND BILLIG

Ich backe und koche aber sehr oft auch ganz ohne Eier, Gerichte, die eigentlich Eier vorsehen würden. Dafür verwende ich veganen Bio Ei-Ersatz z.B. von Spar (unbezahlte Werbung). Man kann veganen Ei-Ersatz genauso gut selbst herstellen, z.B. aus Johannesbrotkernmehl, Guakernmehl, Maismehl, Süßlupinenmehl, Leinsamenmehl und ähnlichem. Im Internet gibt es zahlreiche Rezeptmischungen für den „perfekten“ veganen, gesunden Ei-Ersatz. Ei-Ersatz verwende ich z.B. beim Backen von Blechkuchen, Cookies oder für die Herstellung von Nockerl und Palatschinken. Ei-Ersatz ist jedenfalls wirklich spottbillig und man kommt mit einer Packung ewig aus. (Die soeben genannten Ei-Ersatzmöglichkeiten sind jedoch nicht für Eigerichte, wie Eierspeis oder Rührei, gedacht, sondern dienen lediglich als Bindemittel.)

Statt Fisch und Fleisch sind wirklich billige und gleichzeitig sehr gesunde Eiweißlieferanten, wie oben bereits erwähnt, Bohnen, Linsen, Kichererbsen und diverse andere Hülsenfrüchte. Diese kaufe ich meistens in getrockneter Form in riesigen Packungen. Getrocknete Bio-Hülsenfrüchte kosten, je nach Sorte und Firma, etwa € 3,00 bis € 8,00 pro 1.000g. Mit einer 1.000g Packung erhält man jedoch gut 2.500g gekochte Hülsenfrüchte – davon wird eine ganze Kindergartengruppe satt (oder zumindest 14 Erwachsene). Hülsenfrüchte verwenden wir in Eintöpfen, wir machen daraus vegane Pattys, Suppen und sogar Cookies und Kuchen backen wir damit (wir verwenden z.B. zerstampfte, gekochte Bohnen statt Mehl, da wir uns vorwiegend basisch ernähren). Wem jetzt keine Bohnengerichte in den Sinn kommen, dem kann ich auch nur raten: Das Internet ist voller veganer und basischer Rezepte, welche als Haupteiweißlieferanten Hülsenfrüchte vorsehen. Klickt euch durch das WorldWideWeb, probiert aus und genießt.

KAUF NACH JAHRESZEIT EIN!

Nach Jahreszeiten einkaufen: Wer im Winter Erdbeeren kauft und im Sommer Vogerlsalat, der wird bald die bittere Rechnung zu bezahlen haben. Wer aber stets zu dem greift, was die Jahreszeit gerade zu bieten hat, der kann mehr Münzen in sein Sparschwein schmeißen. Kostenarme Gemüse- und Obstsorten im Winter sind beispielsweise: Kohl- und Krautgewächse, Zwiebel und zwiebelartiges Gemüse, wie Lauch, außerdem Fenchel und generell sämtliche Knollen, seien es nun Kartoffeln, Süßkartoffeln, Pastinaken, Karotten, Rüben und vieles andere. Sogar viele Blattgemüsearten wachsen im Winter, denen die Kälte nichts anhaben kann. Im Sommer sind es wiederum eher Beeren (dazu zählt übrigens auch die Tomate), Paprika, Gurken, Zucchini, Mais und ähnliches, die frisch und günstig auf dem Teller landen.

Im Internet kann man sich sogenannte Gemüse- und Obstsaisonkalender herunterladen, die einem einen guten Überblick darüber geben, welche vitaminreichen Schätze gerade Saison haben. Der Bonus: Frische Waren enthalten stets mehr Vitamine und Spurenelemente als weitgereistes Obst und Gemüse. Letztere sind obendrein auch deshalb meistens teurer, weil sich in deren Preisen noch die Transportkosten niederschlagen.

FERTIG- SOWIE LIFESTYLE-PRODUKTE & SUPERFOODS KOSTEN EXTRA

Alle Bio-Fertigprodukte sind extrateuer. Alle als Superfood deklarierten Trendspeisen sind kostenintensiv. Wieso eine weitgereiste Dattel kaufen, wenn die österreichische Trockenpflaume nur einen Bruchteil kostet? Weshalb eine fertige Bio-Gemüselasagne kaufen, wenn man mit ein paar müden Euros selbst eine zubereiten kann? Wieso Gojibeeren erstehen, wenn Kraut und Kohl mindestens genauso viel oder sogar mehr Vitamin C und andere Nährstoffe enthalten?

THINK BIG, BYE CHEAP

Große Mengen kaufen: Damit meine ich nicht, bei Schnäppchen zuschlagen und dann alles verderben lassen, sondern einfrieren, einkochen, zu Saft machen. Das Credo lautet: verwerten, verwerten, verwerten. Wer einen großen Sack Bio-Äpfel kauft, ist deutlich günstiger dran, als, wenn er einzelne Exemplare der „verbotenen Frucht“ in sein Einkaufswagerl schmeißt. Äpfel sind gut zu lagern (kühl und dunkel, wie z.B. im Keller), man kann sie gut einfrieren, zu Apfelmus und Kompott verarbeiten und auch Marmelade und Saft lassen sich daraus zaubern.

SPEISE-WOCHENPLAN IST HILFREICH

Es empfiehlt sich, einen Speise-Wochenplan zu erstellen: Was wird in der Früh, zu Mittag und zu Abend in der kommenden Woche gegessen? Wir haben das im ersten Lockdown zwangsweise gemacht (oder besser gesagt machen müssen), weil wir nur alle drei Wochen einkaufen gegangen sind. Ich sage euch, wir haben uns so unfassbar viel Geld gespart. Gegessen wurde halt dann auch nur das, das daheim war. Dann gibt es halt mal keine frischen Tomaten, sondern nur Karottensticks zum Abendbrot oder dann ist halt die Milch mal aus – wir haben dann aus Haferflocken selbst Hafermilch hergestellt. Ist es so schlimm, wenn dann doch keine Schokolade mehr im Schrank ist? Tut der Linie ja auch mal ganz gut.

Meistens ist im Vorratsschrank außerdem viel mehr zu finden, als man im ersten Moment denkt. Also bei uns ist das zumindest so. Da denke ich: Mist, ich hätte einkaufen gehen müssen, es ist sich aber nicht mehr ausgegangen. Mit ein bisschen Kreativität zaubere ich dann aus Vorratsschrank, Kühlschrank, Gefrierschrank und ein paar Gartenkräutern ein dreigängiges Menü.

Niemals hungrig und mit Einkaufsliste einkaufen gehen: Wer hungrig und planlos in den Supermarkt rennt, der kommt vollgestopft mit Blödsinn nach Hause. Die Gier, der Gusto und der Hunger sind stärker als der logische Verstand. Dann landen nämlich teure Schokolade und unnötige Knabbereien auf dem Kassenband. Geht lieber satt und geplant einkaufen und haltet euch streng an die Einkaufsliste. Versucht euch Scheuklappen aufzusetzen und Lockangeboten zu widerstehen.

Es lohnt sich oft direkt zum Bauern zu fahren und ab Hof zu kaufen: Klar, dafür braucht man Extrazeit und das Hinfahren kostet vielleicht Extrasprit, oftmals ist das Obst und Gemüse dort aber um ein Vielfaches günstiger. Abzuraten ist, zumindest von meiner Warte aus,  von „Biokistln“ und „Koch-Boxen“. Nicht, weil die Produkte schlecht sind, sondern weil sie unter`m Strich wirklich teurer sind. Irgendwie auch klar, denn Transportkosten schlagen sich zu Buche und die ganze Organisation dahinter muss entsprechend entlohnt werden.

Samstagabend einkaufen: Wer Samstagabend, so ab 17 Uhr oder 17.30 Uhr, nochmals in den Supermarkt geht, wird staunen, wie viele Produkte plötzlich um 25% oder 50% günstiger sind. Die Geschäfte wollen nach Möglichkeit wenig verderben lassen und noch schnell alles an den Mann/an die Frau bringen. Auch hier: Vieles lässt sich sofort verarbeiten, einfrieren oder in Einmachgläser füllen.

Wer wirklich, wirklich Geld sparen möchte kann Großeinkäufe machen: Mehl, Linsen und vieles andere kann man in übergroßen Packungen kaufen – das spart obendrein noch Verpackungsmaterial (ein Mehrwert für unsere Umwelt). Wer will, kann sich hier mit Verwandten, Nachbarn oder Freunden zusammenreden und die Riesenware aufteilen.

Upcycling Food Waste spart obendrein Geld – siehe hier meinen Blogeintrag dazu.

Die App „To Good To Go“: Habt ihr bereits von dem Start-up Unternehmen “TO GOOD TO GO” gehört? Der Name lässt schon ein wenig erahnen, um was es sich dabei handeln könnte. Über die App „TO GOOD TO GO“ kann man binnen von Sekunden herausfinden, welche Unternehmen (Supermärkte, Cafés, Restaurants, Bioläden, Bäckereien, u.ä.) am gleichen Tag noch ihre guten „Reste“ günstigst verkaufen, die sie sonst wegschmeißen müssten. Um die Website-Betreiber zu zitieren: „Wir träumen von einem Planeten ohne Lebensmittelverschwendung und engagieren uns täglich dafür, diesen Traum zu verwirklichen. Mit unserer App kannst auch du dazu beitragen – herunterladen, anmelden und köstliches, zu viel produziertes Essen retten. Was dich erwartet, ist immer eine Überraschung zu tollem Preis und gleichzeitig tust du Gutes für unseren Planeten. Jetzt Essen retten!“ Unser Switches-Tipp: Ausprobieren lohnt sich!

Wollt ihr wissen, wie viel wir pro Woche ausgeben? Ich gebe für Lebensmittel, sämtliche Kosmetikprodukte sowie für alle Putzmittel für uns, eine 4-köpfige Familie, inklusive Hund und vier Schildkröten, ziemlich genau 180 Euro pro Woche aus. Von den gekauften Produkten sind 95% aus biologischer/nachhaltiger Erzeugung und die Kosmetikprodukte haben eine Öko-Zertifizierung. Und nein, wir ernähren uns nicht nur von Brot und Nudeln. Und ja, wir verwenden duftendes Deo und pflegenden Conditioner und unsere Wäsche ist sauber. Und klar, wir gönnen uns auch teure Schoki und guten Wein. 😉 

Habt ihr Fragen zu diesem Thema? Oder wollt ihr mir erzählen, wie euch leistbares Bio-Einkaufen gelingt? Immer her damit, ich freue mich über jede Zuschrift.

„Be a switch!”

Alles Liebe!

Eure Lisa

 

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