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Aus den Kosmetik- und Putzmittelregalen springen sie einem ungefragt entgegen: Parabene und hormonverändernde Stoffe, Toxine und Pestizide, Mikroplastik und Polymere, Allergene sowie zellverändernde Substanzen. Die Liste an bedenklichen Inhaltsstoffen scheint grenzenlos. Doch woran erkennt man, welche Produkte gesundheitsschädigend sind und welche nicht? Was machen diese vermeintlich schlechten Stoffe mit unserem Körper? Welche nachhaltigen Alterativen gibt es?

„Ein junger Mensch leidet an Demenz und keiner weiß warum. Ein anderer erkrankt an Krebs, der immer gesund gelebt hat“, sagt Patricia Schrafl, gelernte Ergotherapeutin, heute Netzwerkerin für Naturkosmetikprodukte (RINGANA), TCM-Ernährungsberaterin, Shiatsu-Praktikerin und Betreiberin ihres One-Woman Unternehmens „Frisch mit Patricia“. Neben einem außergewöhnlichen Anstieg an Demenz- und Krebspatienten, zeigt sich eine wachsende Zahl an Autoimmunerkrankungen, dazu zählen Multiples Sklerose, Arthritis, Hashimoto, Diabetes oder Lupus. Expertin Patricia Schrafl zieht Umweltgifte in die Verantwortung: „Für mich sind die wirklich ernstzunehmenden Gesundheitsprobleme genau jene, die nicht gleich Probleme sind. Wir merken nicht sofort, was wir unserem Körper antun, wenn wir ein Shampoo eines namhaften Herstellers verwenden, ein stinknormales Fensterputzmittel auf das Glas sprühen oder Plastikgeschirr für unsere Kinder kaufen. Der Schaden zeigt sich meist Jahrzehnte später.“

Die Industrie kaschiert gefährliche Inhaltsstoffe.

Was uns letztlich krank macht, ist schwer zu sagen. Vermutlich ist es das Menü, das sich der Otto-Normalverbraucher täglich äußerlich und innerlich einverleibt: Eine Messerspitze Parabene, eine Prise Mikroplastik und etwas Schwermetalle, garniert mit Erdöl und Pestiziden. Die Industrie kaschiert gruselig anmutende Nomen mit reizenden Attributen, wie „weiches Haar“, „trockene Achsel“, „knackiger Apfel“ oder „länger frisch“. Nach wie vor sind in der EU zahlreiche Inhaltsstoffe genehmigt, die als schädlich für Körper und Natur zu werten sind.

Wenn (leider) nur das Ergebnis eine Rolle spielt.

Gerade im Badezimmer ist es oft wichtig, schnell jenes Resultat zu erlangen, auf das man abzielt. Das Deo soll die Achsel trocken halten und dank Shampoo soll das Haar nicht nur sauber, sondern seidenweich werden. Wasch- und Reinigungsmittel für den Haushalt sollen in möglichst kurzer Zeit, möglichst viel Schmutz beseitigen und einen sauberen Glanz sowie dezenten Duft hinterlassen. Dass man seinen Körper in dieser kurzen Zeit jedoch mit einer Masse an Parabenen anreichert, nimmt man nicht wahr.

Unfruchtbarkeit und Krebs werden getriggert.

Parabene werden in zahlreichen konventionellen Kosmetikprodukten und Putzmitteln als Konservierungsstoffe eingesetzt, um die Haltbarkeit zu steigern. Dabei handelt es sich jedoch um hormonell wirksame Substanzen, die mit Phänomenen wie Unfruchtbarkeit, zu frühe Pubertät und Brust-, Prostata,- oder Hodenkrebs in Verbindung gebracht werden. „Parabene werden sehr leicht über die Haut aufgenommen und beeinflussen den gesamten Körper“, erklärt Naturkosmetikfachfrau Patricia Schrafl. Sie macht deutlich, dass in zertifizierten Naturprodukten Paraben-Verbindungen nicht erlaubt sind, ebenso wenig sind darin andere gesundheitsschädigende Stoffe enthalten.

Die Begriffe Naturkosmetik und natürliche Reinigungsmittel sind nicht geschützt.

Das Problem ist jedoch, dass man als Laie nur schwer zertifizierte Naturkosmetik und natürliche Reinigungsmittel von jenen Produkten unterscheiden kann, die sich bloß als solche tarnen. „Die Begriffe sind nicht geschützt. Man kann jedoch auf das Siegel von Ecocert Greenlife vertrauen, man nennt es auch Ecocert- oder Cosmos-Siegel. Durch das Siegel wird eine Umweltverträglichkeit im Verlauf des gesamten Produktionsprozesses sichergestellt.“, so Schrafl.

Die zweifache Mutter achtet seit jeher auf gesunden, nachhaltigen Lebensstil, dass jedoch vor allem jene Produkte ihres Badezimmerschranks eine so große Rolle für Körper und Natur spielen, hat sie erst realisiert, als sie vor über sechs Jahren mit ihrem ersten Kind schwanger war. „Da wurde mir bewusst, dass ich fortan nicht nur eine Verantwortung mir, sondern einem anderen Lebewesen gegenüber habe“, sagt Patricia Schrafl. Die heute 36-Jährige hat begonnen ihren Badezimmerschrank und Putzmittelvorrat hinsichtlich aller Inhaltsstoffe zu zerpflücken. Der Großteil aller Tuben, Dosen und Tegel ist aufgrund schwer bedenklicher Substanzen im Müll gelandet und geprüfte Frischekosmetik hat deren Platz eingenommen.

Allergien sind ein Warnsignal der Gesundheit.

Tenside und Emulgatoren haben in Schrafls Haushalt keine Daseinsberechtigung mehr. Sie finden sich aber durch die Bank in allen gängigen Reinigungsmitteln und Beautyartikeln, um deren einheitliche Konsistenz zu bewahren, sie etwa cremiger zu machen oder ihre Fließeigenschaften zu verbessern. Im Körper zerstören chemische Tenside und Emulgatoren Zellmembranen, machen die Hautbarriere brüchig und angreifbar für pathogene Viren und Bakterien, können Allergien auslösen und, wie wäre es auch anders zu erwarten, können Krebs begünstigen. „Allergien werte ich nicht automatisch als negativ. Wenn jemand eine Allergie entwickelt, ist das ein Warnsignal des Körpers, dem man auf den Grund gehen sollte, ehe etwas Schlimmes droht“, erklärt Patricia Schrafl.

Vielen Leuten ist nicht bewusst, wie wichtig insbesondere ökologische Haushaltsreinigung ist. Wir atmen die Reinigungsmittel mit unseren Lungen ein, die Hände kommen damit in Berührung, Kinder und Haustiere lecken sie von Oberflächen ab und wir tragen die Kleidung eng an unserem Körper, die wir mit giftigen Waschsubstanzen reinigen.

Putzen ohne Putzmittel. Zu schön, um wahr zu sein?

Patricia Schrafl: „Aus diesem Grund reinige ich ohne Reinigungsmittel. Klingt paradox ist es aber nicht. Es gibt besondere Mikrofasersysteme verschiedener Hersteller, die es möglich machen Bad, Fenster und Boden mit purem Wasser zu reinigen.“ Sogar Kleidung kann man zu 100% Waschmittel frei reinigen. Hierzu ersteht man einen preiswerten Öko-Waschball, der innerlich mit kleinen Steinen gefüllt ist und äußerlich dezente Noppen aufweist. Dank der mikrobiellen und reinigenden Eigenschaften der Mineralien im Ballinneren wird die Wäsche von sämtlichen Gerüchen und Schmutz befreit. Rund drei Jahre lang kann so ein Ball im Einsatz sein, ehe er ausgetauscht werden muss.

Aber auch auf das Wunder der Natur kann man bei der Haushaltsreinigung bauen. Mit nur einer Hand voll Rosskastanien oder ein paar wenigen Efeublättern lässt sich im Nu ein schonendes Allroundmittel herstellen, das sich perfekt zur Reinigung von Wäsche, Geschirr und Flächen eignet.

Bei der Reinigung im Haushalt sollte man sich jedenfalls unweigerlich an ein Credo halten: Je stechender einem ein Putzmittelgeruch in die Nase steigt, je größer der aufgedruckte Slogan einen Bleicheffekt verspricht, je mehr Warnsignale darauf abgedruckt sind, wie etwa ein Totenkopf oder ein sterbender Baum mit toten Fischen (ja, dieses Zeichen gibt es) und ist obendrein vielleicht sogar noch ein Schraubverschluss mit Kindersicherung angebracht, dann sollte man die Finger davon lassen. „Im Zweifelsfall wird halt etwas nicht mehr ganz so sauber. Die Gesundheit sollte einem wichtiger sein“, bringt es Fachfrau Schrafl auf den Punkt.

Gut gepflegt mit Erdöl?

In vielen Produkten steckt obendrein Erdöl, das nicht nur hinsichtlich seiner umweltzerstörerischen Eigenschaft zu hinterfragen ist. Erdöl, das insbesondere in Cremes verarbeitet wurde, dichtet unsere Haut zunehmend ab. Sie wirkt nur scheinbar weich, in Wahrheit wird sie unter einem Erdölfilm regelrecht erstickt und trocknet erst recht aus. Dieses Gefühl kennt man zum Beispiel von 0-8-15-Lippenpflege, durch welche die Lippen letztlich spröder werden als sie es je waren. Und wieder: Erdöl erhöht das Krebsrisiko. Erdöl kommt in großen Mengen in Handcremes oder Lippenstiften vor, es steckt in Haarwax oder Vaseline.

Keine Macht dem Alu!  

Aluminium ist ohnedies seit Jahrzehnten verschrien, man kennt es vor allem aus dem Zusammenhang mit Deodorants. Es hemmt zwar den Schweißfluss, weshalb es als Antitranspirant Wunder vollbringt. Aluminium ist jedoch ein Metall, das sich in unserem Körper ablagert. Es steht im Verdacht, nervenschädigend zu wirken und sohin den Ausbruch von Demenz und Alzheimer-Erkrankungen, Parkinson oder Multiples Sklerose zu begünstigen. Schrafl: „Außerdem soll es sich auf die Fruchtbarkeit von Frau und Mann auswirken und Brustkrebs fördern.“ Daher sollte man auch in der Küche auf Alu-Folie verzichten und stattdessen zu natürlichen Bienenwachstüchern, ökologisch abbaubarem Butterbrotpapier oder gläsernen Aufbewahrungsbehältern greifen, um angebrochene Lebensmittel vor dem Verderben zu schützen. Ebenso ist von Konserven- und Getränkedosen abzuraten, stattdessen lieber Einmachgläser und Glasflaschen im Supermarkt kaufen.

Vorsicht vor Öko-Deokristallen!

Besonders heimtückisch sind Öko-Deos aus Alaun-Kristall. Alaun ist zwar ein ökologisch nachhaltiges Naturprodukt, auf die körperbezogene Gesundheit bezogen, ist jedoch davon abzuraten, da es chemisch betrachtet sogenanntes Aluminiumkaliumsulfat ist. Selbst, wenn ein Aufdruck sie als „Aluminium frei“ bezeichnet, enthalten sie weit mehr Aluminium als gut tut.

Wir essen eine Plastik-Kreditkarte pro Woche.

Jetzt haben wir das Aluminium zwar in der Vergangenheit gelassen, nun müssen wir uns aber noch vorstellen, die eigene Geldbörse zu öffnen, die Bankomatkarte zu zücken und was zu tun? Abzubeißen! Der durchschnittliche Österreicher nimmt das Gewicht einer Kreditkarte an Plastik pro Woche zu sich. Im Magen von Kleinkindern landet tendenziell noch mehr, da sie aufgrund von Babyfläschchen, Plastiklöffel und Kunststoffgeschirr eben noch intensiver damit in Berührung kommen und obendrein noch alles abkauen. Plastik lauert letztlich überall, es scheint man könnte ihm gar nicht mehr entkommen. „Mikroplastik steckt in Peelings, in Zahnpasten, in Reinigungsmitteln mit Scheuereffekt, unsere Lebensmittel sind in Plastik abgepackt, die Zahnbürste ist aus Plastik, Frischhalte- und Jausenboxen sind aus Kunststoff hergestellt“, so Schrafl.

Nanoplastik im menschlichen Blut nachgewiesen.

Mikroplastik auf Nanoebene macht Putzmittel und Kosmetika wasserlöslicher oder flüssiger, gelförmiger oder wachsförmiger in deren Struktur. Wir schneiden auf einem Plastikschneidbrett das Gemüse und seien die Nudeln in einem Kunststoffsieb ab. Wasser bewegt sich in einer Sportflasche auf und ab und das Fertiggericht wird gleich samt der Kunststoffverpackung in der Mikrowelle erhitzt. Ständig werden aufgrund von Erosion, Zerkratzen, Zerschneiden oder Erwärmen mikroskopisch kleine Plastikteilchen frei, die zum Schluss von uns gegessen oder getrunken werden. Sogar im menschlichen Blut können Wissenschaftler bereits Plastikpartikel nachweisen.

Bei genauerer Betrachtung gibt es jedoch schon sehr gute Plastikalternativen, sei es nun die Holzzahnbürste, die Edelstahltrinkflasche oder Brotaufstrich im Schraubglas. Manches Mal muss man sich nur die Zeit nehmen, eine Alternative zu suchen und es lohnt sich.

Kunststoffe und die chemischen Verbindungen aus denen sie hergestellt sind, unterliegen zwar strengen EU-Richtlinien, doch gesund sind sie keineswegs, möge der Hersteller es auch noch so anpreisen. Plastik ist nichts Natürliches und neben der Kernspaltung vielleicht die dümmste Entwicklung der Neuzeit.

Parabene, Aluminium, Mikroplastik, Polymere, Toxine und fragwürdigen Substanzen verschiedenster Art landen schließlich über das Abwasser in den Kläranlagen, denen es nicht oder nur bedingt gelingt, die Schadstoffe herauszufiltern. Letztlich sickert der Sud in unsere Bäche, in unser Grundwasser und damit wieder in unser Trinkwasser und in unsere auf den Feldern angebauten Lebensmittel. Zum Schluss nehmen wir alles erneut zu uns. Wie heißt es im Jargon? „Da beißt sich die Katze in den Schwanz.“ Wird Zeit, dass wir sie von ihrem Leid erlösen. Fangen wir bei uns zu Hause an.

 

HILFREICHE APP: Codecheck

Die Inhaltsstoffe und Zutatenliste von Kosmetika, Putzmitteln und Nahrungsmitteln zu studieren erscheint so manches mal als Lebensaufgabe, vor allem, weil sich Toxine gerne hinter exotischen Namen verbergen. Mit der kostenlosen App „Codecheck“ lassen sich in Sekundenschnelle Strichcodes sämtlicher Produkte scannen. Die App zeigt einem schließlich an, ob sich in dem erwählten Produkt wenig bedenkliche, bedenkliche oder gar schwer bedenkliche Inhaltsstoffe verstecken und erklärt außerdem, wieso diese darin vorkommen und welche Auswirkung sie auf Mensch und Natur haben. Außerdem zeigt die App an, ob ein Produkt vegetarisch oder vegan, laktose- oder glutenhaltig ist oder ob Mikroplastik oder Palmöl darin stecken. Kleiner Tipp: Scannen Sie mal ihr Badezimmer!

 

Wie sieht der Inhalt eures Badezimmer- bzw. eures Putzmittelschranks aus?

Be switched!

Alles Liebe,

Eure Lisa

 

P.S.: Ach ja und das ist Patricia Schrafl, selbstständige 2fach Mama, Ringana-Frischepartnerin, TCM Ernährungsberaterin, SHIATSU Praktikerin & Green Networkerin

Wollt ihr mehr über sie als Person und ihr Tun erfahren? Dann klickt ein HIER. 

Vor kurzem habe ich mit meinen Söhnen (1,5 und 4 Jahre) ein Wimmelbuch durchgeblättert und immer wieder Fragen gestellt: „Findet ihr die Katze? Wo ist der blaue Traktor?“ Und so weiter… bis mich mein Großer, Fabian, fragt: „Mama, findest du die Kälber? Wieso sind sie nicht bei den Mama-Kühen, sondern in einem Extrastall eingesperrt?“

Da musste ich einmal schlucken. Eine kluge Frage von dem kleinen Knopf. Eine kluge Antwort wurde von mir erwartet.

Wie viel Wahrheit kann man einem kleinen Kind zumuten, ohne zu schockieren und zeitgleich nicht zu lügen? Ich behaupte, man kann den Zwergen alles sagen, man muss nur wissen wie. Also sagte ich: „Fabian, du trinkst doch gerne Kakao und isst gerne Joghurt, oder?“ Fabian darauf: „Ja, ich liebe Kakao und Joghurt mit der Marmelade von der Oma d´rin.“ Ich: „Genau. Aber du weißt ja, die Milch kommt von der Kuh. Und das Joghurt wird ja aus Milch gemacht, also kommt es auch von der Kuh. Eigentlich, ist Kuhmilch aber für das Kalb. Das trinkt vom Euter Milch, so wie dein Bruder früher von meinem Busen getrunken hat.  Weißt du noch? Der Bauer will aber ganz viel Milch verkaufen, daher will er nicht, dass das Kalb die Milch von seiner Mamakuh trinkt. Also sperrt der Bauer das Kalb weg und das kriegt ein Flaschi, so wie dein Bruder auch früher ab und zu eines bekommen hat. Das Kalb darf nicht bei der Mama-Kuh sein und mit ihr kuscheln, weil sonst trinkt es ja die Milch aus dem Euter.“

Nach meiner vermeintlich minderklugen Erklärung war einmal kurz Stille. Dann sagte Fabian: „Mama, wieso trinken wir dem Kalb die Milch weg?“

Ich sage euch, das ist so einer dieser Momente, wo man als Mama innerlich vor purem Stolz strahlt und leuchtet. Er hatte es verstanden. Ja, wir trinken dem Kalb die Milch weg. Punkt. Da gibt es nichts weiter zu ergänzen oder zu beschönigen.

Eine Kuh erzeugt (ähnlich wie bei uns Frauen) nur dann Milch, wenn sie ein Kalb auf die Welt bringt. Eine Milchkuh kann rund ein Jahr lang Milch geben, ehe ihr weißer Brunnen versiegt. Nach dem Kalben steigt die Milchmenge langsam an und hat nach etwa sieben Wochen ihr Maximum erreicht, das nach zwei bis drei Monaten nach und nach stetig abnimmt.

HOCHLEISTUNGSKÜHE SIND DAUERSCHWANGER

In Milchwirtschaftsbetrieben (ich verwende hier absichtlich nicht den Terminus „Bauernhof“) wird eine Hochleistungskuh zwei bis drei Monate nach der letzten Geburt erneut künstlich besamt, bis sie dann zehn Monate später wieder ein Kalb auf die Welt bringt. Die durchschnittliche Milchkuh (es gibt Ausnahmen, auf die ich noch eingehe) ist erschaffen worden, um Dauerschwanger zu sein und pausenlos gemolken zu werden, selbst während sie trächtig ist. Ergänzt wird ihr putativ artgerechtes Dasein mit fressen, schlafen und – ich sage es einfach unverblümt – scheißen. Das ist das Leben einer Milchkuh, ehe es nach nur fünf Jahren zu Ende gebracht wird. Eigentlich hätten Kühe eine Lebensdauer von rund 20 Jahren. Eine Milchkuh, die mehr als fünf Jahre alt ist, ist jedoch nicht nur unlukrativ, sondern komplett wertlos.

BIO BEDEUTET NICHT AUTOMATISCH „GERECHT“

Wer sich denkt „ich kaufe ja eh Bio“, dem muss hier die bittere Wahrheit offenbart werden. Leider. Zwar steht Bio-Kühen mehr Auslauf zu als konventionell gehaltenen und sie erhalten Bio-Futter, das bedeutet aber nicht, dass die Kälber bei ihren Müttern bleiben dürfen. Aber natürlich gibt es ein paar wenige Ausnahmen.

Es gibt Bauernhöfe, die sehr großen Wert auf artgerechte Haltung legen. Dort fressen Kühe saftiges Heu von der Weide und Kälber werden von ihren Müttern aufgezogen. Es ist jedoch nicht gerade einfach, diese Milch zu beziehen. In den nächstbesten Supermarkt laufen genügt meistens nicht. Wer sich zu dieser „artgerechten“ Milch erkundigen will, der tippt in seine Online-Suchmaschine am besten folgendes ein: „kalbfreundliche Milch“ oder „Milch von muttergebundener Kälberaufzucht“.

WIR LEBEN (FAST!) MILCH-PRODUKTEFREI

Ich für mich, oder besser gesagt wir als Familie für uns, haben entschieden, dass wir jedenfalls auf etwa 80% unseres bisherigen Milch- und Milchproduktekonsums verzichten und stattdessen auf vegane Alternativen zurückgreifen, die uns allen schmecken, inklusive meinem Mann (der ist immer der Maßstab: schmeckt´s DEM, dann ist es der Allgemeinheit zumutbar).

Ich kann euch an dieser Stelle auch noch gerne ein Geständnis machen: Ich gehörte sehr, sehr lange Zeit selbst zu jenen Konsumenten, die den eigenen Milchprodukteverbrauch an die äußerste Spitze trieben. Ein halber Liter Naturjoghurt, fünf Tassen Milchkaffee und bestimmt 80g Käse pro Tag gehörten auf meinen täglichen Standardspeiseplan. So etwas wie Milchschokolade oder gekaufte Backwaren mit verstecktem Milcheiweiß sollten vermutlich zusätzlich Erwähnung finden. Doch irgendwann kam mein Umdenken und ich fand mich und meine Einstellung unfassbar absurd.

KUHMILCH IST FÜR KÄLBER, MUTTERMILCH FÜR BABYS

Absurd vor allem deshalb, weil ich zu jener Spezies Frauen gehörte (und streng genommen leider immer noch gehöre –  ich bitte um Nachsicht und Verzeihung), die es seltsam findet, wenn andere Mamas ihre Kinder stillen, obwohl sie längst laufen können und deutliche Wörter von sich geben. So ein Kleinkind, das sich da selbst an der Milchbar der Mutter bedient, finde ich komisch. Aber wieso? Keine Ahnung. Denn, ich fand es ja auch nicht absurd, das Sekret eines artfremden Tieres, einer Kuh, zu trinken.

Wenn man es nämlich von diesem Blickwinkel aus betrachtet, wird einem erst klar, wie unlogisch es ist, Milchwirtschaft zu betreiben. Kuhmilch ist für Kälber, Muttermilch ist für Babys, Schafsmilch für Lämmer und Ziegenmilch für Zicklein. Da gibt es kein „aber“. So hat es die Evolution nun einmal vorgesehen.

Aber ja, die Evolution schreitet voran und alles ist veränderlich. Ich will hier keinesfalls sagen: „Wer Kuhmilch konsumiert, ist ein schlechter Mensch“. Nein. Für mich persönlich gehört ein gutes Stück Käse dazu, wie ab und zu ein gutes Glas Wein. Wenn mein Großer im Supermarkt nach Milch verlangt und sich nicht liebevoll von mir zu einem Ersatzprodukt überreden lässt, darf er natürlich eine Flasche mitnehmen und erst gestern habe ich nachmittags verschiedene Tortenstücke aus der Konditorei meines Vertrauens geholt, weil das sonntags sein darf.

Es geht mir aber um die Masse. Es gibt einen Unterschied zwischen etwas mit „Maß konsumieren“ und die „Masse konsumieren“.

MILCH MACHT KRANK

Es kann jedenfalls nicht sein, dass weltweit die Milchproduktion so massiv angetrieben wird, dass die Existenz der Milchbauern nur mehr darauf beruht, Milch so günstig wie möglich zu produzieren (Zitat aus dem Dokumentarfilm „Das System Milch“). Es kann nicht sein, dass so viel Milch produziert wird, dass wir daraus Milchpulver machen müssen, weil wir gar nicht mehr wissen, wohin mit dem verderblichen Gut. Dieses Milchpulver schicken wir in Länder Asiens, in denen es vor einigen Jahren noch gar keine Notwendigkeit gab, Kuhmilch zu konsumieren. Jetzt propagieren dort Politik und Wirtschaft, Kuhmilch sei gesund und nur durch sie würden Kinder „groß und stark wie Europäer“ werden. Falsch, denn stattdessen häufen sich dort die Osteoporosefälle, wo Osteoporose bis Dato eine unbekannte Erkrankung war. Milch fördert Osteoporose.

Milchpulver wird in jedes erdenkliche Billiglebensmittel gemischt, um es günstig zu süßen oder cremiger zu machen. In Afrika nagen Landwirte kleiner artgerechter Bauernhöfe am Hungertuch, weil Großkonzerne aus den USA und Europa Instant-Milchpulver zu Spottpreisen verhökern und die arme Bevölkerung lieber das günstige, industriell verarbeitete Pulver zum Anrühren kauft, statt die frische, kostenintensive Alternative heimischer Kühe.

LACTOSEINTOLERANZ IST ETWAS NATÜRLICHES

Übrigens: Die Zahlen an Lactose intoleranten Menschen ist, im Vergleich zu Europa, in Afrika extrem hoch. Das beweist einmal mehr, dass Lactoseintoleranz kein Ausnahmezustand ist und keineswegs eine Krankheit.  Ganz im Gegenteil: Lactoseintoleranz ist die Normalität. Von Natur aus ist oder wäre der erwachsene Mensch Lactose intolerant. Er kann keine Milch oder besser gesagt keinen Milchzucker (=Lactose) verdauen. Das können naturgemäß nur Kinder (klar, denn sie müssen als Säugling die Milch der Mutter trinken und verdauen).

In der Mittelsteinzeit (vor ca. 5.000 Jahren) fanden Menschen, die unsere Breitengrade und kühlere Klimaregionen besiedelten, heraus, dass sie die Milch von Tieren trinken könnten, um sich über die nahrungskarge Zeit zu retten. Es war eine Notlösung, um zu überleben. Evolutionsbedingt hat der menschliche Körper schließlich eine Genmutation hervorgebracht, die es ermöglichte, fortan Lactose zu verdauen.

In jenen Gebieten der Welt, wie etwa in Afrika und in weiten Teilen Asiens, war das Klima jedoch milder oder es gab sättigende Nahrungsalternativen, wie z.B. Meeresfisch und Meeresfrüchte, sodass das Trinken von tierischer Milch nicht nötig gewesen ist. Daher blieben die Menschen dort Lactose intolerant – sie mussten sich nicht anpassen.

Heute ist alles anders als vor 5.000 Jahren. Heute können wir  (zumindest wir Österreicher) heizen, wir wohnen in gut gedämmten Häusern und die Weltwirtschaft beliefert uns 365 Tage im Jahr mit mehr Nahrungsmitteln als uns lieb sein sollte. Die Notwenigkeit, Lactose und tierische Milch zu verdauen ist nicht mehr gegeben. Wir MÜSSEN keine Kuhmilch mehr konsumieren, um zu überleben. Wir könnten diese Tatsache nun philosophisch betrachten: „Vielleicht heißt das, wir sollten auf (Kuh-)Milch verzichten!?“

Zum Schluss möchte ich jedem den Dokumentarfilm von Andreas Pichler aus dem Jahr 2017 „Das System Milch“ nahe legen. Sehr informativ, sehr objektiv, sehr spannend. Der Film ist sogar etwas für einen coolen Homekinoabend mit Freunden, weil er wirklich richtig gut gemacht ist. (Ich habe ihn sogar gemeinsam mit meinem vierjährigen Sohn angesehen – nur ein paar wenige Szenen habe ich ihm zuliebe ausgelassen.)

In diesem Film wird außerdem auf die gesundheitlichen Auswirkungen unseres enormen Milchkonsums eingegangen – kein unwichtiger Aspekt.

Wie steht ihr zu dem Thema „Milchkonsum“? Wie denkt ihr darüber? Wie viel Milch konsumiert ihr, oder konsumiert ihr eben nicht? Und warum ist das so? Ich freue mich über viele Inputs, Anregungen und persönliche Geschichten.  

„Be a switch!”

Alles Liebe,

Eure Lisa